Wer findet zu vigor?
Ltzt Aktlsrng: 20260923

Eine Weltanschauung ohne Vorgeschichte hat keine Gemeinschaft, die neue Mitglieder mitzieht. Wer zu Vigorismus findet, findet aus eigener Überlegung dorthin – nicht durch Zugehörigkeit.
Was für Menschen sind das, und was bedeutet das für den Ton, in dem eine solche Position sprechen sollte?
Der Otrovert: eine dritte Kategorie
2025 veröffentlichte der New Yorker Psychiater Rami Kaminski, Gründer des Otherness-Instituts, ein Konzept, das neben introvertiert und extrovertiert eine dritte Kategorie einführt: den Otrovert. Gemeint sind Menschen, die ihren Platz am Rand des Geschehens nicht als Mangel erleben, sondern als natürlichen Standort – die sich meist auf wenige, tiefe Beziehungen konzentrieren, die das Alleinsein genießen und deren Zustimmung zu einer Gruppe nie aus dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit entsteht, sondern aus eigener Überzeugung. (Kaminski, 2025)
Das Konzept ist neu und hat noch keine Zeit gehabt, sich akademisch zu bewähren oder repliziert zu werden. Es ist ein ernstzunehmender Vorschlag eines etablierten Fachmanns, wenngleich keine etablierte Kategorie der Persönlichkeitspsychologie.
Kaminski vermittelt sein Konzept einem breiten Publikum anhand von Praxisbeispielen, nicht mit den Instrumenten und in der Sprache der Persönlichkeitsforschung. Die akademische Psychologie hat diese Beobachtungen des etablierten Fachmanns bislang nicht aufgegriffen.
Er bietet über sein Institut einen kostenlosen Online-Fragebogen an, mit dem man sich selbst einschätzen kann – ausdrücklich als Werkzeug zur Selbstreflexion deklariert, nicht als wissenschaftliches Testverfahren.
Resonanz zum Vigorismus: Satz 4 des Manifests verlangt, im offenen Dialog zu entscheiden statt nach einem festen Katalog – das setzt Menschen voraus, die Unsicherheit aushalten, ohne sich an eine Gruppenmeinung zu klammern. Diese Fähigkeit beschreibt Kaminski als einen Kern des otrovertierten Typs.
Was Umfragedaten zeigen – und was nicht
Die bisher größte deutschsprachige Befragung vegan lebender Menschen (Gebauer, 2025) mit rund 2.100 Teilnehmenden zeigt ein wiederkehrendes Motivmuster: Gesundheit, Ethik und Ökologie tragen die Entscheidung gemeinsam, während Religion, sozialer Einfluss oder Fitness kaum eine Rolle spielen.
Die selbe Erhebung findet bei veganen Menschen eine von der Gesamtbevölkerung deutlich abweichende Sorgenstruktur – tendenziell näher an wissenschaftlich belegten Risiken wie der Klimakrise, tendenziell distanzierter zu Mehrheitsmeinungen.
Die Befragung und ihre Ergebnisse verteilen sich über mehrere Seiten. Als ersten Eindruck nachstehend drei Infografiken zu den dort detailliert beschriebenen und ausgewerteten Ergebnissen.
Größte gesellschaftliche Sorgen
Politische Selbsteinordnung
Autoritäre Einstellungen
Diese Ergebnisse können beschreiben, wie vegan lebende Menschen heute denken, besagen aber nicht, wie vigor lebende Menschen künftig denken werden. Man darf gespannt bleiben, ob und wie sich die Antworten unterscheiden, wenn die Fragen an eine künftige vigor lebende Community gestellt werden.
Für den Vigorismus heißt das: als Hinweis auf eine plausible Zielgruppen-Tendenz brauchbar, nicht aber als belastbarer demografischer Beweis zu behandeln.
Weltanschauungen und Transformationsfähigkeit
Bei einer dissertationsbasierten Untersuchung konnte das Transformationspotenzial verschiedener großer Weltanschauungen im Angesicht der Klimakrise anhand eines 31-Indikatoren-Raster ermittelt werden. Ökonomisch geprägte Weltbilder zeigten darin das geringste Potenzial; lebenszentrierte, tierethisch begründete Positionen das höchste. (Gertler, 2025)
Auch hier gilt die selbe Zurückhaltung wie bei den Umfragedaten von Gebauer 2025: ein einzelnes Bewertungsraster, keine über mehrere Studien bestätigte Größe – aber ein ernstzunehmendes Signal, dass die Denkrichtung, aus der auch der Vigorismus hervorgeht, nicht nur ethisch, sondern auch praktisch-strukturell auf Wandel ausgerichtet ist.
Was das für die Kommunikation des Vigorismus bedeutet
Wenn die Zielgruppe möglicherweise strukturell otrovertiert ist – also wenig empfänglich für Gruppendruck, aber empfänglich für nachvollziehbare Begründung –, folgt daraus eine klare Konsequenz für die Ansprache: Vigorismus sollte nicht um Zugehörigkeitsgefühl werben, sondern um Nachvollziehbarkeit. Kein „Werde Teil von uns“, sondern „Prüfe die Sätze selbst“.
Das deckt sich exakt mit dem, was diese Plattform ohnehin beschreibt: Es gibt keine Grade der Zugehörigkeit und keine Reinheit – es gibt nur die Frage, ob man in dieselbe Richtung geht.
Eine solche Weltanschauung muss anders kommunizieren als eine Bewegung, die Anhänger sammelt.
Sie muss nicht überzeugen, indem sie einlädt – sie muss überzeugen, indem sie standhält.
Häufige Fragen
- Warum finden Menschen typischerweise nicht über Gruppenzugehörigkeit zum Vigorismus?
- Da der Vigorismus eine Weltanschauung ohne lange Vorgeschichte ist, gibt es keine bestehende Gemeinschaft, die neue Mitglieder mitzieht. Wer zu Vigorismus findet, tut dies in der Regel aus eigener Überlegung und persönlicher Überzeugung statt aus einem Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit.
- Was versteht man unter dem Persönlichkeitstyp des „Otrovert“?
- Der Begriff wurde 2025 vom Psychiater Rami Kaminski als dritte Kategorie neben introvertiert und extrovertiert eingeführt. Er beschreibt Menschen, die ihren Platz am Rand des Geschehens als natürlichen Standort wahrnehmen, das Alleinsein schätzen, wenige tiefe Beziehungen pflegen und sich Gruppen nie aus sozialem Anschlussdruck, sondern ausschließlich aus eigener Einsicht anschließen.
- Ist das Konzept des Otrovert wissenschaftlich anerkannt?
- Das Konzept ist ein Vorschlag eines ernstzunehmenden Psychiaters, es gilt aber bislang nicht als etablierte Kategorie der akademischen Persönlichkeitspsychologie. Es wurde erstmals im Herbst 2025 publiziert und daher bisher noch nicht wissenschaftlich repliziert.
- Wie hängt das Konzept des Otrovert mit den Grundsätzen des Vigorismus zusammen?
- Satz 4 des Vigorismus-Manifests fordert Entscheidungen im offenen Dialog statt nach starren Katalogen. Dies setzt Persönlichkeiten voraus, die Unsicherheit aushalten können, ohne sich an Mehrheits- oder Gruppenmeinungen zu klammern – eine Kerneigenschaft des otrovertierten Typs.
- Welche Rolle spielen Umfragedaten zu vegan lebenden Menschen für den Vigorismus?
- Erhebungen (wie Gebauer, 2025) zeigen, dass vegan lebende Menschen primär durch Ethik, Gesundheit und Ökologie motiviert sind und sich seltener an gesellschaftlichen Mehrheitsmeinungen orientieren. Für den Vigorismus dienen diese Ergebnisse als Hinweis auf eine plausible Zielgruppen-Tendenz, stellen jedoch keinen demografischen Beweis für künftig vigor lebende Menschen dar.
- Wie schneiden lebenszentrierte Weltanschauungen beim Transformationspotenzial ab?
- Laut einer aktuellen Untersuchung weisen lebenszentrierte und tierethisch begründete Positionen das höchste Transformationspotenzial angesichts der Klimakrise auf, während rein ökonomisch geprägte Weltbilder das geringste Potenzial zeigen.
- Wie sollte der Vigorismus vor dem Hintergrund seiner Zielgruppe kommunizieren?
- Da die Zielgruppe wenig empfänglich für Gruppendruck und Zugehörigkeitsappelle sein könnte, sollte die Kommunikation auf Nachvollziehbarkeit und rationale Argumente setzen. Statt eines einladenden „Werde Teil von uns“ lautet der Ansatz „Prüfe die Sätze selbst“ – die Weltanschauung überzeugt nicht durch Einladung, sondern indem ihre Argumentation standhält.
- Wie geht es weiter?
- Wer sich noch weiter vertiefen will: Brauchen wir ein Buch oder einen Onlinekurs oder Meetings, gar ein Seminar, eine Nachdenken- und Erleben-Woche? Wer Fragen und Ideen hat oder mitgestalten will, findet den Weg über „Kontakt“ in der Navigation. Wir freuen uns über jede Rückmeldung.
Ergänzungen und Tipps?
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Ltzt Aktlsrng dr Qlln: 20260926


